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Ausgewählte Erklärungen des wissenschaftlichen Namens:

  • Zwergschwan: der Schwan des (Holzschnitt-Künstlers) Bewick.
  • Zwergdommel: Schilfbrüller oder Dauerbrüller
  • Rohrdommel: gefleckter Brüllochse oder nach den Sternen guckender Brüllochse
  • Haubentaucher: Steissfuss mit Haube oder Arschfuss mit Haube
  • Kormoran: kohlefarbiger kahlköpfiger Rabe
  • Kolbenente: die rothaarige Ente
  • Terekwasserläufer: der aschgraue Gast
  • Seeadler: der Weissschwanz Adler
  • Falkenraubmöwe: langschwänziger Mistfresser oder langschwänziger Mistkerl
  • Alpenbraunelle: der Steinwächter mit der Halsmusterung
  • Zilpzalp: der Geld zählende Blattwächter
Bedeutung der Vogelnamen
am Beispiel der Zwergdommel (Ixobrychus minutus)

Besonders praktisch zum Nachschlagen ist folgendes Buch:
Viktor Wember, Die Namen der Vögel Europas. Bedeutung der deutschen und wissenschaftlichen Namen, Wiebelsheim 2005 [Aula Verlag]
Das neu erschienene Buch von Roger Lederer und Carol Burr: Latin for Bird Lovers. Over 3'000 bird names explored and explained, Portland / London 2014 [Timber press] ist zwar hübsch illustriert, hält aber wissenschaftlichen Ansprüchen nicht stand.
Das wissenschaftliche Standardwerk ist: James A. Jobling, Helm Dictionary of Scientific Bird Names, London 2009 [Helm; erstmal Oxford 1991]
Die wissenschaftlichen Bezeichnungen stammen grösstenteils aus dem Wissenschaftslatein bzw. Wissenschaftsgriechisch der frühen Neuzeit.

deutsche Namen: nicht selten hilft bereits die deutsche Bezeichnung für ein vertieftes Verständnis. So erfahren wir, dass es sich um eine sehr kleine Dommel handelt. Was aber bedeutet Dommel? Ursprünglich handelt es sich um eine lautmalerische Bezeichnung, vgl. das mittelhochdeutsche Wort für Rohrdommel: rordummer, welche auf den dumpfen Ruf der Rohrdommel verweist. Bekannt ist ja auch die Bezeichnung 'Moorochse' für Rohrdommel.

Kniffliger wird es bei den wissenschaftlichen Namen. Dieser besteht jeweils aus zwei (oder drei) Teilen, dem Gattungs- und dem Artnamen, manchmal folgt als dritte Bezeichnung die Unterart, alle werden kursiv gesetzt. Heute wird nur noch der Gattungsname gross geschrieben. Darauf folgen die Angaben zum Namen gebenden Autor und zum Jahr der Namensveröffentlichung, in unserem Fall dem schwedischen Naturforscher Billberg 1828. Linnés Name von 1776 ist in Klammern gesetzt, das heisst er wird heute nicht mehr verwendet. Interessant, dass Linné beim Vorkommen explizit auf die Schweiz verweist.

Die Erklärung von Lederer / Burr verwirren und verlangen nach einer besseren Erklärung, die Zwergdommel ist doch wahrlich keine 'Mispelverschlingerin'.
Wember geht die Sache gründlicher an. Bereits die Kernaussage mit der Uebersetzung 'Schilfbrüller' überzeugt jeden, der den Ruf der Zwergdommel schon gehört hat. Da sind wir wohl auf der richtigen Spur. Die Herleitung von 'Mispel' wird verworfen und auf Ixia, einem schilfartigen Schwertliliengewächs, verwiesen. Das griechische Verb 'brych'aomai' bedeutet brüllen. Sauber verweist Wember auf Jobling, der sich offenbar auf Arthur Gotch, 1981, stützt. In den Anmerkungen geht Wember noch weiter ins Detail. Die Pflanze mit dem Namen 'Ixias' ist eine südafrikanische Pflanze, allerdings mit schilfartigen Blättern, weshalb er als Erklärung auch ixo = Klebend im Sinn von dauerhaft anbietet, womit wir dann bei 'Dauerbrüller' wären, wahrlich eine treffende Bezeichnung für unseren unermüdlichen Rufer. Nicht selten ist also mehr als eine Erklärung denkbar.
Simpel ist dagegen der Artname 'minutus' = klein. Das spricht für sich.

Gibt es noch einen einfacheren Weg zur raschen Erklärung des wissenschaftlichen Namens? Schliesslich haben nicht alle Ornis die Bücher von Wember und Jobling zur Hand. Tatsächlich gibt es die, jedoch nur für die Abonnenten der Online-Ausgabe des 'Handbook of the Birds of the World'. Man ruft einfach Ixobrychus minutus auf und klickt auf Ixobrychus. Damit gelangt der Leser zum 'Key of Scientific Names in Ornithology', den Jobling exklusiv für die Online-Ausgabe des HBW erstellt hat. Wirklich eine extrem praktische Sache. Dort wird Billbergs Erklärung zitiert und die etymologische Herleitung erklärt. Natürlich kann man auch auf 'minutus' klicken, sofern das überhaupt notwendig ist.