1516 wurde Conrad Gessner in Zürich geboren. Seinem Pflegevater, dem Kaplan Johannes Frick, verdankte er das Interesse für Botanik, seine Vorliebe für Zoologie stammte möglicherweise vom Beruf seines Vaters, der Kürschner war. Am Carolinum (Grossmünster) genoss er eine humanistische Ausbildung. Mit 15 beherrschte er Latein und Griechisch fliessend. In Basel und Montpellier studierte er Medizin. Botanische Studien betrieb er vor Ort in den Alpen und im Jura. 1554 wurde er zum Stadtarzt von Zürich ernannt. Er hatte ein eigenes Naturalienkabinett und korrespondierte mit zahlreichen Wissenschaftlern Europas. 1565 starb er in Zürich, wo er im Grossmünster begraben wurde.

Conrad Gessner 1516 - 1565

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Ein eigentliches Juwel früher Ornithologie ist das Werk De avium natura des Humanisten und Universalgelehrten Conrad Gessner.
Für uns besonders spannend ist der Umstand, dass Gessner in Zürich Professor am Carolinum war und später Stadtarzt wurde. Somit kannte er die Gegend um Zürich gut. Er repräsentiert das Wissenschaftsverständnis des Humanismus, den spannenden Uebergang von der deduktiven scholastischen Methode zum modernen naturwissenschaftlichen Empirismus.

Eigene Beobachtungen und verlässliche Gewährsleute waren ihm wichtiger als tradierte Autoritäten, welche er zwar durchaus aufführt, aber nicht selten kritisch wertet.  Somit erlaubt sein Werk einen spannenden Einblick in die damalige Vogelwelt im Raum Zürich und, durch seine vielfältigen wissenschaftlichen Kontakte, in andere Länder Europas.

Am relevantesten für den Greifensee sind seine Ausführungen zum Haubentaucher.




Digitale Editionen von De avium natura
(Ausgabe 1555 Froschauer) http://www.e-corpus.org/notices/105421/gallery/1079538
(erweiterte Ausgabe 1585):  http://digitale.bibliothek.uni-halle.de/vd16/content/structure/995416


Zur Erschliessung des Werkes sehr nützlich:
Katharina Springer, Ragnar Kinzelbach, Das Vogelbuch von Conrad Gessner (1516-1565).
Ein Archiv für avifaunistische Daten, Berlin u. Heidelberg 2009