Charaktervogel des Greifensees

Der Haubentaucher ist heute der Charaktervogel des Greifensees. In guten Jahren ziehen um die 50 Brutpaare ihre Jungen hoch.
Bei plötzlich steigendem Wasserspiegel in der kritischen Zeit sind nur wenige Brutpaare erfolgreich, da die an Schilfhalmen befestigten Nester überschwemmt werden. Zuletzt geschah dies 2012 und 2013.

Haubentaucher (Düchel)

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Die Abbildung bei Gessner zeigt einen Haubentaucher im Prachtkleid, der sein Gefieder putzt. Er kam zwar zur Zeit Gessners im Zürichsee und den benachbarten Gewässern vor, war aber seltener als heute.
 
Von der Haltung her handelt es sich um ein Präparat. Das neue Wissenschaftsverständnis Gessners zeigt sich darin, dass er ein Exemplar, welches auf dem Genfersee gefangen worden war, selber in Augenschein genommen hat (vidi) und sich nicht einfach auf die traditionellen Autoritäten stützte.
Zutreffend sind auch seine Ausführungen zur Lebensweise der Haubentaucher, nämlich dass sie nie an Land gingen und im Schilf nisteten. Sie riefen mit lauter Stimme und ernährten sich von kleineren Fischen.

Mitte August wurde zu Gessners Zeit am Greifensee (lacu Gryphio) der "Tücchel-Tag" gefeiert. Mit Netzen (retibus) wurden zahlreiche Haubentaucher gefangen. Dies war nicht allzu schwierig, da die Vögel wegen der Mauser (propter pennarum mutationem) kaum fliegen konnten. Im Anschluss lud dann der Landvogt zum traditionellen Tüchel-Mahl im Schloss (in des Vogts Haus: nur in der deutschen Uebersetzung von Horst 1669 erwähnt: S. 114). Geniessbar waren die Vögel aber nur dank intensivem Würzen mit Zimt und Ingwer. Offenbar war die Jagd auf diesen traditionellen Termin beschränkt. Dabei wurde auch geschossen (ictum bombardae). Der Tücheltag war ein Volksfest, das mit der Belchenschlacht auf die Blässhühner und dem anschliessenden Belchenschmaus am Ermatingerbecken TG vergleichbar ist, welche auf Schweizer Seite bis 1984 praktiziert wurden.

Die Haubentaucher wurden aber auch aus modischen Gründen verfolgt, da ihr Federbalg begehrt war für die Herstellung von "Halsschlauffen und Belz-Kappen". So sollen sie im 19. Jahrhundert auf den Zürcher Seen nur noch als Wintergäste aufgetaucht sein. Im Winter waren sie nicht gefährdet, ihr Schlichtkleid war für die Kürschner nicht genug interessant.

Zu Beginn des 20. Jahrhundert wurde der Haubentaucher im Kanton Zürich zum Fischereischädling erklärt. Erst 1929 wurde die Abschussprämie von 2 Franken pro Vogel abgeschafft.  Heute ist der Freizeitbetrieb die grösste Gefährdung.

Zum Düchelmahl vgl. Gessner, De avium natura 1585 S. 138-140 und Beat Frei, Greifensee, Greifensee 2006, S. 15-18
Zur Belchenschlacht vgl. den Artikel von René E. Honegger: Lockenten vom Untersee, - zur Kulturgeschichte der ehemaligen Wasservogeljagd, Thurgauer Beiträge zur Geschichte 141 (2005): http://www.bss-stiftung.ch/download/lockenten.pdf